In Zeiten, wo die Zinsspanne bei den Banken obszöne Werte annimmt (1% und weniger für Tagegeld oder Festgeld mit kürzeren Laufzeiten aber 10%-20% für die Kontoüberziehung), die Gier mancher Banken unser Finanzsystem an den Rand des Ruin gebracht hat, Bankmanager immer noch von 20% und mehr Eigenkapitalrendite sprechen - die Gewinne aber lieber in Boni als Ausschüttung für ihre Aktionäre verwenden, gönnt man es den Banken eigentlich nicht, sich auf die eigenen Kosten zu bereichern. Weder als Geldverleiher (Anleger) noch als Kreditkunde. Leider sind die Alternativen aber rar.
Eine Möglichkeit, kleinere bis mittlere Geldbeträge zu (ver)leihen bieten seit etwa zwei Jahren zwei neue Internetplattformen, sogenannte P2P-Kredite.
Bevor man ans Investieren (oder Geldleihen) geht, empfiehlt es sich, einige
Stunden Zeit ins Einlesen und Beobachten zu investieren. So kann man
Anfängerfehler vermeiden, die ins Geld gehen würden (also aus der Erfahrung
anderer statt eigener lernen). Für den potenziellen Investor sollten p2p-Kredite
natürlich immer nur ein Baustein der Vermögensanlage sein.
Die Entscheidung für eine Investition bindet einen für einen längeren Zeitraum
(meist 3-5 Jahre), im umgekehrten Fall kann man aber der Kredit vorzeitig
ablösen, so man unverhofft zu Geld kommt oder eine billigere Finanzierungsquelle
auftut.
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Nicht nur bei Stiftung Warentest schneidet smava sehr gut ab, der
Gesamteindruck ist einfach vertrauenserweckend und professionell. Das
Kreditvergabeverfahren ist transparent, die Gebühren fallen erst beim
Vertragsabschluss an und sind detailliert aufgeführt.
Als Kapitalgeber profitiert man von einem klaren Auswahlsystem nach Schufa-Klassen,
so dass einem (wenn man sich eingelesen hat!) auf den ersten Blick klar wird, in
welches Risiko man sein Geld hineinsteckt. Oft wird man allerdings auch nicht
mehr als einen Blick auf ein Projekt werfen können - seit Mitte 2009 leidet
smava nämlich unter einem deutlichen Kapitalüberhang. Gut für die
Kreditsuchenden, schlecht für die Renditen. Die beworbenen 13% sind längst außer
Reichweite geraten, 5% sind schon ganz ordentlich und über 7,5% die Nadel im
Heuhaufen.
Rendite ist nicht Zinssatz! smava sichert die Kreditgeber durch einen
sogenannten Pool ab. Das bedeutet, dass man im Ausfallsfall eines Kreditnehmers
zwar keine Zinsen mehr erhält, aber zumindest einen hohen Prozentsatz des
eingesetzen Kapitals zurück. Je nach Kreditklasse können das bis zu 99% (Klasse
A) oder ca. 85% (Klasse H) sein. Die Werte werden Monat für Monat neu errechnet
und gelten dann für alle Tilgungszahlungen - also auch die der nicht
betroffenen Kapitalgeber im selben Pool. So reduziert sich eine nominelle
Zinsrate von z.B. 14% im H-Pool allein durch diesen Risikoausgleich auf etwa
6-8%, je nach Ausfallszahlen. Vor dem Gebot wird einem aber ein Schätzwert dafür
angezeigt.
Wer weniger Zeit investieren möchte, kann auch Gebotsassistenten einrichten, die
nach einstellbaren Konditionen (z.B. erzielbare Rendite, Güteklasse, Alter...)
selbständig bieten. Da auch hier ein Überangebot besteht, sollte man sich auf
einige Wochen bis Monate Wartezeit einstellen, bis ein Schnäppchen gelingt.
Insgesamt ist smava eine klare Empfehlung. Ein gutes Forum und Analyseseiten wie Beobach.de mit vielen Seiten Statistiken runden das Bild ab. Das Verlustrisiko bleibt überschaubar, über seine Anlagen hat man einen guten Überblick.
Wesentlich unübersichtlicher kommt auxmoney daher. Hier ist allerdings das
Zahlenverhältnis ein ganz anderes. Sehr viele, zum Teil verzweifelte
Kreditnehmer buhlen um das Geld weniger Investoren. Entsprechend höher sind
sowohl Renditen als auch das Risiko. Renditen zwischen 12 und 15% sind eher die
Regel als die Aussage - wenn das ganze gutgeht.
Hektik bei der Anlage gibt es keine, denn im Gegensatz zu smava laufen die Kreditangebote
die ganze Angebotszeit durch. Wenn für 100% des angefragten Kapitals Zusagen gemacht wurden,
können die Kreditgeber sich durch niedrigere Zinszusagen unterbieten - so weiß
erst am Ende der Bietzeit, ob das Angebot Erfolg hatte oder man unterboten wurde oder
der Betrag nicht zusammenkam. In diesem Fall kann der Kreditsuchende sein Projekt,
ggf. modifiziert, erneut eingeben.
Einen Pool gibt es bei auxmoney nicht, jeder ist selbst für seine Risikostreuung
verantwortlich und einen gewissen Prozentsatz an Totalausfällen sollte man
einfach einkalkulieren. Dafür sind die Mindesteinsätze mit 50€ deutlich geringer
als bei smava (250€), und es fällt keine Anlegergebühr an (zumindest noch
nicht). Im Erfolgsfall wird aber die Rendite auch nicht durch "fremde" Ausfälle
geschmälert.
Das Bewertungsmodell ist deutlich unübersichtlicher und als Kreditsuchender muss
man Zertifikate kaufen - ohne Gewähr dass man später überhaupt einen Kredit
bekommt.
Für den Kreditnehmer mit halbwegs guter Bonität ist smava auf jeden Fall die
bessere Wahl - im Moment ist auf jeden Fall ein relativ günstiger Kredit zu
erhalten. Auxmoney wirkt undurchsichtiger wenn nicht gar unseriöser und wurde
auch in diversen Finanztests so bewertet.
Für den risikobewussten Anleger ist auch auxmoney eine Option - für kleinere
Beträge. Ob man bei smava mit der Höchstsumme von 100.000€ einsteigen sollte ist
natürlich auch fraglich. Aber als Depotbeimischung beim derzeitigen
Geldmarktzins eine sehr interessante Anlagealternative.
Da Auxmoney inzwischen immer mehr dazu übergeht, die Kreitsuchende durch neue und undurchsichtige Gebühren abzuzocken, kann ich diesen Kreditvermittler überhaupt nicht mehr empfehlen. Am Partnerprogramm nehme daher nicht mehr teil und investiere auch nicht mehr über
diesen Marktplatz.